Bertschi Gruppe bleibt trotz sich verändernder globaler Handelsströme und stagnierender europäischer Chemiemärkte auf Kurs
- Gruppenumsatz 2025 von CHF 1,02 Milliarden unverändert gegenüber 2024. Währungsbereinigtes Umsatzwachstum von +2,5%
- Zoll- und regulatorische Unsicherheiten belasten die Chemienachfrage, während ‚Frontloading‘ und ‚Friendshoring‘ zu neuen, sich schnell verändernden Warenströmen in der Chemielogistik führten
- Globales Netzwerk mit neuen Niederlassungen in Mexiko, Taiwan und Ningbo erweitert
- Ausbau der Isotank-Heizkapazität in Singapur zur Unterstützung integrierter Lieferketten
- Anhaltender Abschwung in der europäischen Chemieindustrie, Ankündigung weiterer Werksschließungen und Margendruck
- Bedeutende Investitionen: Intermodal-Terminal Antwerp Zomerweg sowie Erweiterung des Intermodal-Terminals Rotterdam Botlek, beide mit umfangreichen Gefahrgut-Isotank-Lagerkapazitäten; Grundstückserwerb in Middlesbrough zwecks Ausbaus bestehender Anlagen
- Ausblick 2026: Fokus auf Lieferzuverlässigkeit, Kundennutzen, resiliente Door-to-Door-Logistik und Margendisziplin
Erfolgreich in einem von Unsicherheit geprägten Markt
Die Bertschi Gruppe startete mit einer klaren Botschaft ins Jahr 2026: Die Generierung von Kundennutzen und gezielte Investitionen können auch in einem stagnierenden Markt Wachstum ermöglichen. Die Gruppe schloss das Jahr 2025 mit einem Umsatz von CHF 1,02 Milliarden ab, was aufgrund des starken Schweizer Frankens unverändert gegenüber 2024 ist. Währungsbereinigt stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,5%, unterstützt durch das Wachstum in ausgewählten globalen Märkten und die steigende Nachfrage nach Lager- und Distributionslösungen in Europa und Asien.
Zoll- und regulatorische Unsicherheiten blieben das ganze Jahr ein zentrales Thema für das Management und beeinflussten Kundenentscheidungen, Beschaffungszeitpunkte und grenzüberschreitende Güterströme erheblich. Parallel dazu setzte sich der Abschwung der europäischen Chemieindustrie fort. Werksschließungen entlang der Wertschöpfungskette reduzierten die Produktion in bestimmten Regionen, während einzelne Importströme zunahmen und Versorgungsmuster sich veränderten. Für Bertschi bestand die Herausforderung neben dem Umgang mit Volumenschwankungen darin, frühzeitig zu erkennen, wohin sich Handelsströme als Nächstes verlagern würden und mit flexiblen Kapazitäten sowie verlässlicher Ausführung zu reagieren.
„Volatilität ist zu einem dauerhaften Merkmal unserer Branche geworden. Unsere Aufgabe ist es, die Lieferketten unserer Kunden zuverlässig am Laufen zu halten, indem wir die operativen und Compliance-Aufgaben in einem integrierten Service verwalten, der durch unsere Infrastruktur und unsere Expertise unterstützt wird“, sagt Jan Arnet, Group CEO.
Proaktive Reaktion auf Veränderungen und neue Anforderungen globaler Handelsströme
Während die europäische Chemieproduktion insgesamt stagnierte, gewannen Volumina aus Asien, dem Nahen Osten und Amerika in bestimmten Produktsegmenten an Bedeutung. Bertschi positioniert sich, um diese Entwicklung mit skalierbarer Hub-Infrastruktur und durchgängigen End-to-End-Supply-Chain-Services zu unterstützen. Die Strategie der Gruppe basiert darauf, chemische Produkte zu lagern, zu handeln, zu beheizen, zu beproben, zu verzollen und zu verteilen, insbesondere in den wichtigsten Importmärkten in Europa und Asien. „Es ist unsere Verantwortung, die Veränderungen im globalen Handel frühzeitig zu erkennen und unseren Kunden zuverlässige Logistiklösungen bereitzustellen, wenn sich der Markt neu ordnet“, sagt Hans-Jörg Bertschi, Präsident des Verwaltungsrats. Das Ziel für 2026 ist es, die Beziehungen zu Chemieproduzenten, die neue Produktströme entwickeln, auszubauen.
Stärkung Europas als Distributionsregion durch kontinuierliche Investitionen
Investitionen bleiben ein zentraler Hebel in der langfristigen Positionierung von Bertschi. In Europa baute die Gruppe 2025 ihre Kapazitäten in der Nähe großer Häfen und Industriecluster weiter aus – mit Infrastruktur, die integrierte Logistikkonzepte unterstützt.
Das Antwerp Zomerweg Terminal (AZT) ist ein Kernstück der europäischen Investitionsstrategie der Gruppe. Das Terminal wurde für moderne, integrierte Chemielogistik konzipiert und vereint Containerlagerung, insbesondere für Gefahrgut, mit Mehrwertdiensten wie Zollabwicklung, Beheizung sowie trimodaler Anbindung. In Rotterdam schloss Bertschi eine Erweiterung ab, die Umschlag, Handling und Gefahrgut-Lagerkapazitäten des trimodalen Terminals stärkt und wachsende Supply-Chain-Aktivitäten unterstützt. Die starke Präsenz in Antwerpen und Rotterdam festigt die Position der Gruppe in den zwei führenden europäischen Chemieclustern und ermöglicht Kunden, Lagerung und Distribution mit planbaren Prozessen zu skalieren.
Darüber hinaus erwarb Bertschi ein Grundstück in Middlesbrough und schuf damit Raum für die weitere Expansion des UK Lager- und Distributionshubs – in einem Markt, in dem sich die logistischen Anforderungen im Chemiesegment stetig weiterentwickeln. Der UK-Markt bleibt strategisch wichtig, da sich globale Lieferketten an strukturelle Veränderungen in Beschaffung und Produktion anpassen.
Globale Netzwerkerweiterung für mehr Kundennähe
Mit der Aufnahme von Aktivitäten in Mexiko positioniert sich Bertschi in einem Markt, der für chemische Lieferketten zwischen Nordamerika, Mittelamerika und globalen Handelsrouten zunehmend an Bedeutung gewinnt. „Ziel ist es, Kunden lokale Expertise sowie eine direkte Anbindung an die globalen Door-to-Door-Servicekonzepte der Gruppe zu bieten“, erklärt Arnet.
Neue Gesellschaften in Taiwan und Ningbo stärken die Fähigkeit der Gruppe, Kunden in Asien sowohl für die regionale Distribution als auch für exportorientierte Lieferketten zu unterstützen. Diese Standorte helfen Bertschi zudem, der anhaltenden Verlagerung von Produktionskapazitäten und Handelsaktivitäten nach Asien zu folgen. In Singapur erweiterte die Gruppe ihre Isotank-Heizkapazitäten in ihrem wichtigen globalen Hub im Jurong Island Chemical Cluster (JICC). Für die anhaltende Nachfrage nach integrierter Chemielogistik in Südostasien sind Heizkapazitäten essenziell. Im Jahr 2025 steigerte der Chemielogistik-Hub in Zhangjiagang (Provinz Jiangsu, CN) zudem sein Geschäftsvolumen erfolgreich. Er bietet Gefahrgutlagerung, Produktabfüllungen, Lagerdienstleistungen und Distribution für Unternehmen an, die chemische Produkte in den wachsenden chinesischen Markt importieren, als auch für lokale Produzenten.
Intermodaler Transport und was „Nachhaltigkeit“ 2026 erfordern wird
Nachhaltigkeitsziele bleiben branchenweit präsent, doch operative Realitäten, wie Störungen und Zuverlässigkeitsprobleme bei der Bahninfrastruktur in Europa, setzen die Ambitionen zur Verkehrsverlagerung weiterhin unter Druck. Für Bertschi ist es eine Priorität für 2026, die Konsistenz von Planung und Ausführung für Kunden zu erhöhen und Risiken durch robuste Transportkonzepte weiter zu reduzieren. Die Gruppe unterstützt Brancheninitiativen zur Verbesserung der intermodalen Leistungsfähigkeit durch Bündelung und höhere Frequenzen auf wichtigen Relationen, denn der Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit im Landverkehr wird von der operativen Zuverlässigkeit abhängen.
„Unsere Kunden wollen geringere Emissionen und zugleich zuverlässige Ankunftszeiten. Der nächste Schritt ist, den intermodalen Transport wieder resilienter zu machen. Darauf werden wir 2026 viel Energie verwenden“, sagt Arnet.
Bertschi rechnet im Jahr 2026 weiterhin mit einem herausfordernden Markumfeld geprägt durch Überkapazitäten und Kostendruck. Vor diesem Hintergrund wird die Bertschi Gruppe den Kundenservice durch proaktive Kommunikation und lösungsorientierte Planung stärken. Die Investitionen werden weiterhin selektiv bleiben und sich auf Infrastruktur, Equipment und digitale Entwicklungen konzentrieren, welche Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit verbessern, bei gleichzeitiger Beibehaltung der hohen Sicherheitsstandards der Gruppe.